Pressemitteilung: TU Berlin soll Professuren abschaffen

Bei der eigentlich langweiligen Wahl zum Akademischen Senat der Technischen Universität Berlin vom 27. bis 29. Januar 2015 tritt erstmals die studentische Liste „Profs abschaffen!“ an. Sie betrachtet Profs als ein antiquiertes Konzept. Gerade angesichts knapper Kassen seien sie zur Disposition zu stellen. Wenn „Profs abschaffen!“ die Wahl gewinnt, kann die Liste souveräne Politik gegen Professuren betreiben.

Die Spitzenkandidatin von „Profs abschaffen!“, Anna Bauer (Kultur-und-Technik-Studentin, Die PARTEI) beschreibt das visionäre Programm: „Es geht uns um die konsequente Weiterführung der erfolgreichen Erfolgsstrategie der TU Berlin der letzten Jahre. Wer auf dem Markt der international konkurrierenden Denkfabriken wettbewerbsfähig bleiben will, muss in kürzerer Zeit, mit weniger finanziellen Mitteln mehr Studierenden mehr marktkonformen Nonsens als Wissenschaft verkaufen.“ An der TU Berlin hat die Abschaffung von Professoren schon längst begonnen. Aktuell kommen auf eine*n Prof im Schnitt 108 Studierende. 2003 waren es noch rund 70 Studierende pro Prof.

Inzwischen hat die TU Berlin so wenige Profs, dass sie es sich sogar leisten kann, den verbleibenden mehr Geld zu bezahlen. TU-Präsident Christian Thomsen kämpft dafür, dass die professorale Besoldung in Berlin angehoben wird. Das Engagement der Hochschulleitungen ist außergewöhnlich, immerhin sperren sie sich beispielsweise beim Tariflohn für studentische Hilfskräfte in Berlin seit über zehn Jahren gegen Erhöhungen. Benjamin Bisping (Informatik-Student, Langzeitstudis gegen Studiengebühren) kommentiert diese Entwicklung: „Das Besoldungsplus für Profs ist schon in Ordnung. Die Masse des wissenschaftlichen Personals bilden eh günstige dauer-befristete wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, Privatdozent*innen und studentische Hilfskräfte. Profs existieren ohnehin nur noch übergangsweise – aus folkloristischen Gründen. Eigentlich sind sie natürlich überflüssig: Studis brauchen keine Vorlesungen, sie können ganz gut selber lesen. Genauso können wissenschaftliche Mitarbeiter*innen ausgezeichnet selber forschen, ohne dass ein Prof als Ehrenautor die Ergebnisse für sich beansprucht. Der Hauptzweck vieler Profs scheint zu sein, irgendwelche Dinge ungesehen zu unterschreiben. Wir arbeiten schon an Lösungen, wie diese Unterschriften automatisiert erzeugt werden können, sobald es keine Profs mehr gibt.“

Anna Bauer schätzt die Perspektiven der Liste positiv ein: „Wenn etwas mehr Studis für uns stimmen, als es Profs an der TU gibt, erhalten wir voraussichtlich einen Sitz im Akademischen Senat. Sobald wir erstmal da sind, werden wir dank unserer ausgezeichneten Argumente sicherlich schnell die Abschaffung der Professor*innen vorantreiben können. Denn die Mehrheit im Akademischen Senat stellen Professor*innen, also gebildete Menschen, die bestimmt offen gegenüber Argumenten sind.“ Der Akademische Senat ist das zentrale Gremium der universitären Selbstverwaltung. Er wird alle zwei Jahre neu gewählt. In ihm bilden Professor*innen die Mehrheit mit 13 von 25 Sitzen.

Infos der TU-Berlin-Pressestelle zur Wahl: http://www.pressestelle.tu-berlin.de/newsportal/wahl-spezial/

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